Foto: Robert F. Tobler · CC BY-SA 4.0
Braunbär
Ursus arctos
Europas größter Landraubtier ist zugleich eines der scheusten: ein mächtiges Tier, das den Menschen sein Leben lang meidet.
Eigenschaften
Charakter
Scheu und einzelgängerisch. Er meidet den Menschen und greift fast nur an, wenn er aus nächster Nähe überrascht wird oder ein Weibchen seine Jungen bedroht sieht.
Ernährung
Opportunistischer Allesfresser: Beeren, Wurzeln, Eicheln, Insekten, Honig, Fische und Aas. Pflanzliche Kost überwiegt in weiten Teilen des Areals.
Ein zurückhaltender Riese
Wer sich den Braunbären als unerbittlichen Jäger vorstellt, wird überrascht sein, wie zurückgezogen er lebt. Ein ausgewachsenes Männchen kann 500 Kilogramm erreichen, und doch verbringt es den größten Teil des Tages damit, Menschen sorgfältig aus dem Weg zu gehen. Die Gestalt ist unverwechselbar: kräftige Schultern mit einem Muskelhöcker, breite Tatzen, lange gerade Krallen, die zum Klettern taugen, zum Graben aber hervorragend sind.
Das Fell reicht von hellblond bis fast schwarz. Diese Vielfalt täuschte Naturforscher jahrhundertelang: Sie beschrieben Dutzende Arten, wo es nur eine gab.
Wo er lebt
Das Verbreitungsgebiet des Braunbären umspannt drei Kontinente: Europa, Asien und Nordamerika, wo er Grizzly heißt. In Italien überleben zwei Kerngebiete, eines in den Zentralalpen, ein weit gefährdeteres im zentralen Apennin. Es sind kleine, isolierte Bestände, die darauf angewiesen sind, sich entlang immer stärker zerschnittener Waldkorridore bewegen zu können.
Die Kost eines Opportunisten
Das Wort „Raubtier" ist hier mit Vorsicht zu genießen. Der Braunbär frisst fast alles, was er findet: Beeren, Wurzeln, Eicheln, Insekten, Honig, Fische, Aas. In weiten Teilen seines Verbreitungsgebiets macht Fleisch nur einen kleinen Bruchteil der Nahrung aus. Genau diese Anpassungsfähigkeit erlaubte ihm, so unterschiedliche Lebensräume wie die arktische Tundra und den mediterranen Buchenwald zu besiedeln.
Die Winterruhe
Mit der Kälte zieht sich der Bär in eine Höhle zurück und drosselt seinen Stoffwechsel. Es ist kein tiefer Winterschlaf wie beim Murmeltier: Die Körpertemperatur sinkt nur um wenige Grad, und das Tier kann aufwachen, wenn es gestört wird. In dieser Zeit bringen die Weibchen ihre Jungen zur Welt, und die winzigen, hilflosen Bärenkinder verbringen ihre ersten Wochen im Dunkeln an der Milch der Mutter.
Schutz
Weltweit gilt die Art als nicht gefährdet, doch das Etikett führt in die Irre. Es bedeutet, dass der Bär in Russland, Kanada und Alaska häufig ist, nicht dass es ihm überall gut geht. Die südeuropäischen Bestände bleiben verletzlich, bedroht durch Wilderei, Verkehrsunfälle und vor allem durch den Konflikt mit menschlichen Aktivitäten. Ein Nebeneinander ist möglich, verlangt aber Vorsorge: Elektrozäune, ordentliche Abfallwirtschaft und Aufklärung.



