Klippschliefer
Procavia capensis
Der Klippschliefer ist ein gedrungenes Säugetier felsiger Landschaften Afrikas und des Nahen Ostens – meerschweinchenähnlich, aber mit dem Elefanten verwandt.
Eigenschaften
Charakter
Sozial, tagaktiv, wachsam; lebt in Kolonien
Ernährung
Pflanzenfresser: Gräser, Blätter, Triebe, Früchte
Ein unerwarteter Verwandter des Elefanten
Auf den ersten Blick wirkt der Klippschliefer wie ein großes Meerschweinchen oder ein schwanzloses Murmeltier. Seine Verwandtschaft ist jedoch verblüffend: Seine nächsten lebenden Verwandten sind keine Nagetiere, sondern die Elefanten und die Seekühe. Anatomische Merkmale wie die stoßzahnartigen oberen Schneidezähne und Besonderheiten des Skeletts verraten diese uralte gemeinsame Abstammung.
Der Körper ist gedrungen, etwa 30 bis 50 cm lang, ohne sichtbaren Schwanz und mit bräunlich-grauem Fell bedeckt. Am Rücken fällt ein farbiger Fleck auf, der eine Duftdrüse umgibt und der Kommunikation dient. Die Fußsohlen sind nackt und feucht und mit elastischen Polstern versehen, die wie Saugnäpfe wirken – so klettert das Tier sicher an glatten, steilen Felswänden.
Lebensraum und Verbreitung
Der Klippschliefer besitzt das größte Verbreitungsgebiet aller heutigen Schliefer. Er bewohnt weite Teile des subsaharischen Afrikas, den Nordosten des Kontinents und den Nahen Osten von der Arabischen Halbinsel bis in die Levante. Er bevorzugt Felsvorsprünge, Geröllfelder und Steilhänge, deren Spalten Schutz vor Fressfeinden und Witterung bieten. Man findet ihn vom Flachland bis in hohe Gebirgslagen.
Sozialleben und Wärmehaushalt
Klippschliefer leben in Kolonien von mehreren Dutzend Tieren, die sich um ein dominantes Männchen mit Weibchen und Jungtieren gruppieren. Da sie ihre Körpertemperatur nur unzureichend regeln, verbringen sie viele Morgenstunden sonnenbadend, oft eng aneinandergedrängt. Wachposten beobachten die Umgebung und stoßen bei Gefahr scharfe Warnrufe aus, die die ganze Kolonie alarmieren. Ihr Lautrepertoire ist ungewöhnlich reich und weist fast „dialektartige" Unterschiede zwischen Populationen auf.
Ernährung und Wissenswertes
Als Pflanzenfresser ernährt er sich von Gräsern, Blättern, Trieben und Früchten und verträgt auch zähe Pflanzen dank eines mehrkammerigen Magens und langer Darmgärung. Kolonien nutzen feste Kotplätze; die kristallisierten Ablagerungen aus Urin und Kot, Hyraceum genannt, wurden als Klimaarchiv untersucht und einst in der Parfümerie verwendet. Trotz seines friedlichen Aussehens ist der Schliefer zwischen den Felsen flink und wendig.
Schutz
Die IUCN führt die Art als „nicht gefährdet": Ihr Verbreitungsgebiet ist riesig und die Bestände sind stabil. Örtlich wird sie wegen ihres Fleisches gejagt oder als Gartenschädling betrachtet, insgesamt ist sie jedoch nicht bedroht.
Vorteile
- Überraschender lebender Verwandter von Elefanten und Seekühen
- Komplexes Sozialverhalten und reiches Lautrepertoire
- Großes Verbreitungsgebiet und stabile Bestände
Nachteile
- Kein Haustier: spezielle Bedürfnisse eines Wildtiers
- Schlechte Thermoregulation, auf Sonnenbäder angewiesen
- Wird örtlich als Gartenschädling angesehen



